04.11.2026

Vom Krebsforscher zum Brückenbauer: Die persönliche Geschichte von Prof. Dr. Joachim Drevs

Was macht einen Arzt eigentlich zu dem Menschen, der er ist? Im Interview mit dem Schweizer Gesundheitsfernsehen QS24 spricht Prof. Dr. Joachim Drevs über seinen ungewöhnlichen Weg: von der Krebsforschung über persönliche Schicksalsschläge bis zu seiner heutigen Praxis für integrative Onkologie. Ein Gespräch, das zeigt, warum Medizin für ihn vor allem eines bedeuten muss: Brücken bauen statt Mauern errichten.


Worum geht es in dem Interview?

 

In der neuen Interviewreihe begegnen die Zuschauer nicht dem Professor oder dem Wissenschaftler, sondern dem Menschen Joachim Drevs. Er spricht offen über:


  • seine Kindheit in einer Ärztefamilie und seinen Weg ins Medizinstudium
  • die prägenden Jahre in New York, Südafrika und der Schweiz
  • seine Pionierarbeit in der Krebsforschung und die Ernüchterung, als aus Wissenschaft plötzlich nur noch Wirtschaft wurde
  • einen persönlichen Schicksalsschlag, der ihn selbst zum Angehörigen gemacht hat
  • den Aufbau und das abrupte Ende einer eigenen Klinik
  • warum er sich heute als „Brückenbauer" zwischen Schulmedizin und integrativer Medizin versteht



Vom kleinen Jungen aus Konstanz zum Krebsforscher

 

Joachim Drevs wurde in Konstanz am Bodensee in eine Ärztefamilie hineingeboren: beide Großeltern Ärzte, der Vater Arzt, er selbst der Älteste von fünf Brüdern. Schon die Hebamme soll bei seiner Geburt gesagt haben: „Ein kleiner Professor ist geboren." Eine Prophezeiung, die ihn lange begleitete, ihm aber zunächst gar nicht in die Wiege gelegt schien.

Den entscheidenden Anstoß für seinen weiteren Weg gab sein langjähriger Mentor Prof. Nagel, ehemaliger Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, der ihn gezielt in die Onkologie führte und ihm früh internationale Stationen ermöglichte:


  • New York: ein Jahr hochmoderne Medizin am Mount Sinai Hospital
  • Südafrika: Arbeit in einem Krankenhaus während der Abschaffung der Apartheid, als komplettes Kontrastprogramm zur hochmodernen Medizin
  • Zürich: erste Berührung mit alternativen medizinischen Ansätzen in der Klinik Bircher


Aus dem jungen Studenten mit eigenen Zweifeln an seinem Weg wurde so Schritt für Schritt der international anerkannte Onkologe, der er heute ist.



Pionierarbeit in der Krebsforschung und eine bittere Lektion

 

Schon während seiner Doktorarbeit durfte Prof. Dr. Joachim Drevs an der Entwicklung eines neuen Krebsmedikaments mitarbeiten. Diese Erfahrung weckte eine Faszination für die Forschung, die ihn sein ganzes weiteres Berufsleben begleiten sollte. Später entwickelte er als einer der Vorreiter weltweit sogenannte Angiogenesehemmer, Medikamente, die die Blutgefäßneubildung von Tumoren blockieren. Was anfangs auf Kongressen belächelt wurde, zählt heute zu den erfolgreichsten Wirkstoffklassen der Pharmaindustrie.


Je näher ein solches Medikament der Marktreife kam, desto deutlicher erlebte er, wie stark wirtschaftliche Mechanismen in der Medikamentenentwicklung mitwirken, oft unabhängig davon, was medizinisch tatsächlich am sinnvollsten wäre. Eine Erfahrung, die ihn nachhaltig zum Nachdenken über die Strukturen seines Berufsstands brachte.


Vom Arzt zum Angehörigen: ein persönlicher Einschnitt

 

Parallel zu seiner beruflichen Entwicklung erlebte Prof. Dr. Joachim Drevs einen tiefen persönlichen Einschnitt in der eigenen Familie, der ihn unerwartet von der Seite des Arztes auf die Seite des Angehörigen wechseln ließ. Plötzlich musste er selbst gegen Hoffnungslosigkeit, starre Systemgrenzen und Pessimismus ankämpfen und auf der Suche nach Lösungen auch ungewöhnliche Wege gehen.


Diese Erfahrung veränderte seinen Blick auf die Medizin nachhaltig: Er erlebte hautnah, wie sich Patienten und Angehörige im System fühlen können, oft entmündigt und mit wenig Raum für echte Mitentscheidung.


Eine eigene Klinik - und wieder das Geld

 

Es folgte ein mutiger Schritt: Statt der klassischen Karriere als Chefarzt oder Universitätsprofessor baute Prof. Dr. Joachim Drevs mit einem privaten Investor eine eigene Klinik auf, mit internationalen Studienzentren und Patienten aus der ganzen Welt. Trotz vielversprechender Ergebnisse stand das Projekt am Ende erneut vor einem Problem, das sich durch seine gesamte Laufbahn zieht: Was medizinisch wirkt, lässt sich nicht immer wirtschaftlich verwerten.


„Der Erfolg wird nicht an der Wirkung des Medikaments gemessen, sondern am Geld, das zurückkommt."


Die Findungsphase: auf der Suche nach dem richtigen Weg

 

Nach diesem Rückschlag durchlief Prof. Dr. Joachim Drevs eine intensive Suchphase, die ihn durch ganz unterschiedliche Bereiche der Medizin führte, von alternativen Ansätzen über die Pharmaindustrie bis zur universitären Rehabilitationsmedizin. Jede dieser Stationen bestärkte ihn in einer Überzeugung: Weder die reine Schulmedizin noch ein einseitiger alternativmedizinischer Ansatz werden dem einzelnen Patienten gerecht. Es braucht Verbindung statt Lagerdenken.


Die integrative Onkologie: eine Praxis in Sickte

 

Als sein Vater verstarb, übernahm Prof. Dr. Joachim Drevs die seit 1950 bestehende, dreigenerationsalte Hausarztpraxis der Familie im niedersächsischen Sickte. Dort verbindet er heute ländliche Grundversorgung mit seiner spezialisierten Praxis für integrative Onkologie - UNIFONTIS, in der er seine ganz eigenen, über Jahre entwickelten Ansätze einbringt.

Sein Ansatz: Schulmedizin und ergänzende, biologisch fundierte Verfahren nicht gegeneinander, sondern als sich ergänzendes Gesamtkonzept zu denken, individuell abgestimmt auf jeden einzelnen Patienten.


Seine Vision für die Zukunft der Onkologie

 

Auf die Frage, was er sich für die Zukunft der Krebsmedizin wünscht, antwortet er klar:


  • Patienten und Therapeuten sollen offener aufeinander zugehen, statt sich gegenseitig abzuwerten
  • Patienten sollen in Tumorkonferenzen aktiv einbezogen werden, statt nur über ihren Kopf hinweg informiert zu werden
  • Behandlungsentscheidungen sollen individuell und in echter Eigenverantwortung des Patienten getroffen werden können
  • Das Gesundheitssystem braucht neue Honorierungsmodelle, damit Zeit für Patientengespräche wirtschaftlich tragbar wird


Wie aus all diesen Stationen, Rückschlägen und Erkenntnissen am Ende die Haltung eines Brückenbauers wurde, erzählt Prof. Dr. Joachim Drevs am eindrücklichsten selbst.


Neugierig geworden? Das komplette Interview finden Sie hier.

Unifontis – Praxis für integrative Onkologie

Apothekenweg 6

38173  Sickte


Fon: +49 (0)5305-912 568-0

Fax: +49 (0)5305-1317

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